In der Physik wird Kraft definiert als eine Einwirkung, die einen Körper verformen und/oder beschleunigen kann.

Die Kraftfähigkeit ist per Definition von MARTIN et al. die konditionelle Basis für Muskelleistungen mit Krafteinsätzen, deren Werte über ca. 30% des jeweils individuell realisierbaren Maximums liegen.

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Die konditionelle Fähigkeit Kraft wird in der Sportwissenschaft in verschiedene Arten unterteilt.

MAXIMALKRAFT

Maximalkraft ist die größtmögliche Kraft, die das neuromuskuläre System willkürlich gegen einen Widerstand ausüben kann.

Das legendäre Zitat: „Maximalkraft ist die Mutter aller Kraftqualitäten“ des Sportwissenschaftlers Prof. Dr. Dr. Schmidtbleicher bezieht sich darauf, dass die Kraftqualitäten Maximalkraft, Schnellkraft, Reaktivkraft und Kraftausdauer nicht gleichwertig neben einander stehen:

Schnellkraft, Reaktivkraft und Kraftausdauer ordnen sich hierarchisch der Maximalkraft unter, da sie in hohem Maße von dem willkürlich aktivierbaren Kraftpotential und damit von der Maximalkraft abhängen.

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SCHNELLKRAFT

Schnellkraft ist die Fähigkeit, optimal schnell Kraft zu bilden. In der Sportpraxis wird immer dann von Schnellkraft gesprochen, wenn es darum geht, den eigenen Körper, Körperteile oder Sportgeräte in hohem Maße zu beschleunigen.

Schnellkraftleistungen im Sport zielen überwiegend auf das Erreichen einer maximalen Endgeschwindigkeit auf einem gegebenen Beschleunigungsweg ab.

Je kürzer dieser Beschleunigungsweg ist, umso mehr ist die Endgeschwindigkeit von der Startkraft und der Explosivkraft abhängig. Je länger der Beschleunigungsweg ist, umso mehr kommt es auf eine „reserviert“ ansteigende Kraft an, d. h. dass man auf dem vorhandenen Beschleunigungsweg eine hohe Endgeschwindigkeit erzielt.

Die Startkraft und die Explosivkraft sind Unterarten der Schnellkraft.

Startkraft bezeichnet das Vermögen des schnellen Reagierens bei der Kraftentwicklung, d. h. die Fähigkeit gleich bei Kontraktionsbeginn einen hohen Kraftanstieg zu entwickeln. Bei BÜHRLE wird zur Bewertung für die Startkraft die Kraftentwicklung während der ersten 30 Millisekunden des Anstiegs der Kraft-Zeit-Kurve berücksichtigt.

Explosivkraft wird als Quotient aus dem Maximalkraftwert und der Zeit, die erforderlich wäre, diesen Wert zu erreichen, definiert. Also hohe Kraft in möglichst kurzer Zeit.

KRAFTAUSDAUER

Kraftausdauer ist die Fähigkeit eine Kraftbelastung aufrecht zu erhalten, d. h. den gleichen Betrag der Muskelleistung ohne ermüdungsbedingten Leistungsabfall zu widerholen (z.B. Ruderschlag) oder eine Last in einer bestimmten Bewegungsaufgabe über längere Zeit zu halten.

Das entscheidende Merkmal der Kraftausdauer ist die Dauer der Lastbewältigung, welche abhängig von den Stoffwechselleistungen der Muskulatur ist. Dieses Merkmal unterscheidet die Kraftausdauer von den anderen Erscheinungsformen der Kraft. SCHMIDTBLEICHER legt der Höhe der erzielten Impulssumme einen definierten Zeitraum zugrunde.

Kraftausdauer wird von ihm als die Fähigkeit des neuromuskulären Systems definiert eine möglichst große Impulssumme in einem definierten Zeitraum (längstens 2 Minuten bei maximaler Auslastung) gegen höhere Lasten (mehr als 50 % der Maximalkraft) zu produzieren.

REAKTIVKRAFT

Reaktivkraft ist die Muskelleistung, welche innerhalb eines Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus des Muskels einen erhöhten Kraftstoß generiert.

Sie ist abhängig von Maximalkraft, Kraftbildungsgeschwindigkeit (Fähigkeit zur schnellen Kontraktion) und reaktiver Spannungsfähigkeit (das Vermögen, bei Dehnungsbelastungen in der exzentrischen Phase des Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus die Muskelspannung aufrechterhalten zu können).

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RELATIVKRAFT

Relativkraft ist die Kraft in Abhängigkeit vom Körpergewicht. Sie wird wie folgt berechnet: Relativkraft = Maximalkraftleistung : Körpergewicht.

Jemand der 80 kg wiegt und 80 kg auf der Bank drückt (80 : 80 = 1) hat demnach eine höhere Relativkraft, als jemand der 100 kg wiegt und 90 kg (90 : 100 = 0,9) auf der Bank drückt. Obwohl das absolute Gewicht der bewegten 90 kg und somit die Maximalkraft des 100 kg Mannes höher ist.

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Personal Trainer, Strength Coach & Autor Philip Schmieder

Philip „The Brain“ ist Diplom Sportwissenschaftler, seit 2009 Personal Trainer und Autor diverser Fachpublikationen. Er besitzt die YPSI A-Lizenz und arbeitet aktuell bei Urban Athletes in Köln. Sein Personaltraining umfasst Energielevel, Kraft und Körperkomposition.

Mehr zu Philip findest du hier: www.schmiedertrainer.de

Quellen:

  • Martin, D., Carl, K. & Lehnertz, K. (1993). Handbuch Trainingslehre. Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport. Schorndorf: Hofmann
  • Bührle, M. (1985). Grundlagen des Maximal- und Schnellkrafttrainings. Schorndorf: Hofmann.
  • Schmidtbleicher, D. (2003): Motorische Eigenschaft Kraft: Struktur, Komponenten, Anpassungserscheinungen, Trainingsmethoden und Periodisierung. In: W.
  • Fritsch (Hrsg.), Rudern – erfahren, erkunden, erforschen. S. 15–40. Gießen: Sport Media Verlag
  • http://www.sportunterricht.de/lksport/kraftarttext1.html